Sefrou: das Kirschfest und der Mellah bei Fès
Rund 30 Kilometer von Fès entfernt ist Sefrou abseits der großen Touristenrouten geblieben – genau das macht den Abstecher so reizvoll. Jedes Jahr Mitte Juni erwacht die Stadt zu ihrem berühmten Kirschfest, während ihr alter Mellah von einer jüdischen Gemeinschaft erzählt, die einst zu den größten im ländlichen Marokko zählte. Eine ruhige, von einem Fluss durchzogene Medina, aktive Gerbereien und ein Wasserfall nur wenige Schritte entfernt: Sefrou lässt sich in einem halben Tag ab Fès besuchen.
Sefrou ist eine kleine Berberstadt etwa 30 km südöstlich von Fès (30 bis 45 Autominuten), am Rand des Mittleren Atlas. Bekannt ist die Stadt vor allem für ihr Kirschfest, das seit 1920 jedes Jahr Mitte Juni stattfindet und als Teil des immateriellen Kulturerbes Marokkos anerkannt ist: etwa drei Tage Feierlichkeiten mit der Wahl einer Kirschkönigin, traditioneller Musik, amazighischen Volkstänzen und einem Umzug mit Wagen, die mit lokalen Produkten geschmückt sind. Sefrou beherbergt zudem einen historischen Mellah: Jüdische Gemeinschaften ließen sich hier vor etwa 2.000 Jahren nieder, verstärkt im 9. Jahrhundert durch eine Zuwanderungswelle aus Tafilalet, bis die jüdische Bevölkerung auf schätzungsweise 8.000 Personen anwuchs, was der Stadt den Beinamen Klein-Jerusalem einbrachte. Der jüdische Friedhof ist mindestens 500 Jahre alt. Die vom Oued Aggaï durchzogene Medina wirkt deutlich ruhiger als jene von Fès, mit noch aktiven Gerbereien und einem Wasserfall nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt.
1. Das Kirschfest: der große Termin im Juni
Jedes Jahr Mitte Juni feiert Sefrou die lokale Kirschernte mit einem Moussem, der seit 1920 ununterbrochen stattfindet – eines der ältesten Volksfeste im modernen Marokko. Über etwa drei Tage wählt die Stadt ihre Kirschkönigin, empfängt traditionelle Musikgruppen und amazighische Tanzgruppen und erlebt einen Umzug mit Wagen, die mit lokalen Erzeugnissen geschmückt durch die Gassen der Medina ziehen. Während der gesamten Zeit sind die Kirschmärkte in vollem Gange. Das Kirschfest von Sefrou gilt heute als Teil des immateriellen Kulturerbes Marokkos und zeugt von der landwirtschaftlichen und festlichen Identität dieser Region des Mittleren Atlas.
2. Der Mellah: auf den Spuren von Klein-Jerusalem
Sefrou besitzt einen der ältesten und historisch am dichtesten besiedelten Mellahs (jüdische Viertel) Marokkos. Jüdische Gemeinschaften ließen sich hier vor etwa 2.000 Jahren nieder, verstärkt im 9. Jahrhundert durch eine Zuwanderungswelle aus Tafilalet und dem Süden Algeriens. Auf dem Höhepunkt soll die jüdische Bevölkerung Sefrous bis zu 8.000 Personen erreicht haben – ein beträchtlicher Anteil für eine Stadt dieser Größe, was ihr den Beinamen Klein-Jerusalem einbrachte. Der jüdische Friedhof der Stadt, der sich über fast vier Hektar erstreckt und mindestens 500 Jahre zurückreicht, bleibt bis heute eine der bedeutendsten Stätten des jüdischen Erbes in Marokko. Ein Spaziergang durch die engen Gassen des Mellah, vorbei an Fassaden mit ihren charakteristischen Holzbalkonen, vermittelt einen Eindruck von diesem wenig bekannten Kapitel der marokkanischen Geschichte.
3. Die Medina, der Oued Aggaï und der Donnerstagsmarkt
Die Medina von Sefrou wird vom Oued Aggaï durchzogen, einem Fluss, der sie in zwei Teile teilt und ihr mit Brücken und Gassen entlang des Wassers einen besonderen Charme verleiht. Die Atmosphäre ist hier spürbar ruhiger und weniger touristisch als in Fès: Die traditionellen Gerbereien, noch in Betrieb, lassen sich ohne die für Besucher organisierte Infrastruktur besichtigen, die man in der Medina von Fès findet. Nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt bietet ein Wasserfall eine erfrischende Pause und einen schönen Blick über das Tal. Der Wochenmarkt, traditionell am Donnerstag am belebtesten, verwandelt die Medina in einen lebendigen Markt, auf dem sich lokale Erzeuger und Einwohner begegnen; an den übrigen Wochentagen lässt sich der Mellah mit seinen Gassen dagegen ruhiger entdecken.
Für Sefrou gibt es noch keinen eigenen online buchbaren Ausflug, doch mehrere Touren ab Fès ermöglichen die Erkundung der Region des Mittleren Atlas und ihrer Umgebung.
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Sefrou lässt sich gut mit einer umfassenderen Erkundung der Region kombinieren: Unser Guide Was in Fès unternehmen behandelt die Medina, die Gerbereien und die Höhepunkte der Königsstadt, während unser Guide Ifrane und Azrou einen weiteren halben Ausflugstag in den Mittleren Atlas bietet, zwischen alpiner Architektur und Zedernwald.
FAQ — Sefrou
Wie weit ist Sefrou von Fès entfernt?
Wann findet das Kirschfest von Sefrou statt?
Was ist der Mellah von Sefrou?
An welchem Tag sollte man den Markt von Sefrou besuchen?
Kann man Sefrou als Tagesausflug ab Fès besuchen?
Zusammenfassung
Sefrou ist kein Muss auf den klassischen Rundreisen, und genau das macht die Stadt zu einem so reizvollen Abstecher ab Fès: ein jahrhundertealtes Volksfest, ein geschichtsträchtiger Mellah, eine ruhige, von einem Fluss durchzogene Medina. Ob Sie im Juni wegen des Kirschfests kommen oder für einen ruhigen halben Tag – Sefrou zeigt eine Seite Marokkos fernab des touristischen Trubels.
Die 3 wichtigsten Tipps:
- Planen Sie Ihren Besuch für einen Donnerstag wegen des Markts, oder meiden Sie diesen Tag, wenn Sie Ruhe suchen.
- Legen Sie Ihren Besuch im Juni um Mitte des Monats, um das Kirschfest zu erleben.
- Nehmen Sie sich Zeit für einen Spaziergang durch den Mellah: Er zählt zu den bedeutendsten Stätten des jüdischen Erbes in Marokko.






